Ja, endlich. Und hoffentlich habe ich nun einen Ankerplatz für die nächsten ein bis zwei Jahre. Ankerplatz, im übertragenen Sinn natürlich, und mein Gefühlsleben betreffend. Nur.
In den vergangenen anderthalb Jahren hatte ich fünf oder sechs Erstgespräche mit Psychologinnen und Ärztinnen und einem Arzt, welche nicht von Dauer waren. Und nu habe ich eine Verhaltenstherapeutin gefunden, bei der ich schon ein gutes Gefühl hatte, als ich gerade mal auf ihren Anrufbeantworter gesprochen hatte. Ich will nicht übertreiben, aber es ist etwas dran an der Feststellung über Menschen mit einem eingeschränkten Sinn: ein anderer entwickelt sich weiter.
Allerdings ist es für mich direkt gefährlich geworden, den Alltag in der Großstadt zu bewältigen; und das nach nur einem Termin. Na gut, das war ein kurzer, ich war spät dran, und er war vollgepackt mit Geschichten, Erinnerungen und Gefühlen. Aber gestern Abend, einige Stunden nach dem Termin, bin ich in Gedanken versunken über eine rote Ampel gelaufen, ohne es zu merken, bei Verkehr. Ich bin gar nicht so sehr erschrocken, als da gehupt und nah an mir vorbeigefahren wurde, vielmehr bin ich aus allen Wolken gefallen.
Seltsam, wirklich.
Doch nun geht es darum, die Themen, die ich herauskristallisieren habe lassen, in Ziele umzuwandeln. Ich erwarte von einer Traumatherapie nichts zwingendes, ich hatte ja noch nie eine. Allerdings, wenn ich auf die letzte psychologische Anwendung schaue, die ich mir verhaltenstherapeutisch in Form eines Videokurses habe zuteil werden lassen, dann schaue ich hoffnungsvoll in die nahe Zukunft.
Es sind so ein paar Informationen hängen geblieben, beim Surfen über einschlägige Websites, so zum Beispiel, dass Vergesslichkeit ein Thema ist, bei Trauma-Spätfolgen. Kein Wunder. Und dieses gedämpfte Körpergefühl ist auch nicht normal angeblich. Und ganz zu schweigen vom momentan wieder zunehmenden Gefühl der Bedrohung, wenn ich auf der Straße unterwegs bin. Solche Sachen eben.
Es wird noch ein paar Gespräche brauchen, bis ich ich mich dann nicht nur geistig, sondern auch emotional öffnen kann, das ist klar, aber wichtig ist auch konkrete Ziele festzulegen. Damit tue ich mich schwer im Kontext Psychotherapie. Jemand schrieb, es reicht nicht aus, „Es soll mir besser gehen“ zu formulieren. Das klingt schon vernünftig, aber irgendwie ist es schon eine Wundertüte, die da vor mir liegt.
Ich könnte ja auch direkt anfangen, etwas anders an die Sache heranzugehen, und die Therapeutin fragen, was möglich ist. Das klingt gut. Stelle sowieso zu wenig Fragen. Warum eigentlich? 😀
Ah, ich glaub, ich weiß schon. Das ist möglicherweise eine Schwäche, wenn man Autodidakt ist, wie ich eben einer bin. Dann geht es darum, durch Kreativität beim Handeln und Ausprobieren, einen Lösungsweg zu finden, und nicht durch Kreativität, beim Suchen nach den richtigen Fragen zu Antworten und Lösungen zu kommen.